Namensgeber

Kurt Löwenstein wurde am 18ten Mai 1885 in Bleckede/Elbe als Sohn jüdischer Eltern geboren und starb am 8ten Mai 1939 an einem Herzinfarkt in Paris (die Beisetzung erfolgte auf dem Père Lachaise zu Paris am 13ten Mai 1939).

Nach einer schweren Kindheit (die Mutter Kurt Löwensteins starb in dessen sechstem Lebensjahr; eine sich jahrelang hinziehende Krankheit ihrer hatte sämtliche Ersparnisse der Familie aufgebraucht, so daß der Junge frühzeitig an ’s Mitverdienen gewiesen war) absolvierte er die David’sche Stiftungs- (das Schulgeld für diese hatte er selbst zu verdienen) und die Oberrealschule zu Hannover; am Realgymnasium in Harburg/Elbe legte er 1903 die Matura ab.

In den Jahren von 1904 bis 1910 studierte Löwenstein (jüdische) Theologie, Philosophie, Pädagogik und Nationalökonomie an Universitäten und Hochschulen von Hannover, Berlin und Erlangen. An der Universität Erlangen wurde er 1910 mit einer Arbeit über den französischen Philosophen Jean-Marie Guyau zum Dr. phil. promoviert.

1914, nach Ausbruch des I. Weltkrieges, meldete sich Löwenstein zum „Roten Kreuz. Bis zum Ende des Krieges (1918) war er in Kriegslazaretten eingesetzt. Zur Zeit der „Novemberrevolution“ war Löwenstein Mitglied eines Soldatenrates und trat noch 1918 der „Unabhängige(n) Sozialdemokratische(n) Partei Deutschlands“  bei. In dieser Zeit beteiligte er sich an der Ausarbeitung des Organisationsstatutes der USPD Berlin-Brandenburg und des Schul- und Bildungsprogrammes seiner Partei

Von 1919 an Stadtverordneter in Charlottenburg, wurde Löwenstein von 1920-1923 zum Stadtverordneten in Groß-Berlin und Bezirksverordneten in Charlottenburg gewählt. 1922 trat er zur SPD über.
Von 1920 an war Kurt Löwenstein Leiter des städtischen Bildungswesen Berlins, von 1921-1933 Stadtrat für das Schulwesen in Neukölln, von 1920-1933 gehörte er dem Reichstag als Mitglied (zunächst als Abgeordneter für die USPD, nach seinem Übertritt in die SPD für diese) an. Löwenstein widmete sich im Parlament der Weimarer Republik vor allem der Bildungspolitik.

Als Stadtrat  für das Volksbildungswesen in Berlin-Neukölln brachte Löwenstein wesentliche soziale Maßnahmen wie einkommensabhängige Schulgelder, die Ausweitung der Schulspeisung für Bedürftige, Einrichtung von Maturaklassen an Volksschulen oder entsprechenden Kurse für Arbeiter mit auf den Weg.
Von 1922 bis 1934 war Löwenstein Vizepräsident der „Sozialistische(n) Erziehungs-Internationale“ (1933 als Präsident und Mit-Geschäftsführer) und von 1924 bis 1933 Vorsitzender der „Reichsarbeitsgemeinschaft  der Kinderfreunde Deutschlands“, zudem Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen“ sowie Mitglied des Vorstandes des „Sozialistischen Kulturbundes“ und des Reichsausschusses für Sozialistische Bildungsarbeit.

Wegen der beginnenden Verfolgung durch die Nazis ging Löwenstein 1933 via Sachsen und  Prag nach Draveil (bei Paris) in ’s Exil. Im Pariser Exil arbeitete er im „Volksfront-Ausschuß“ mit. Dort war Löwenstein für die „Sozialistische Erziehungs-Internationale“ tätig, Mitorganisator der internationalen Falkenrepubliken und (ab 1934) im Vorstand der französischen „Kinderfreundebewegung“. Zur selben Zeit arbeitete Löwenstein auch in den Vorständen der „Arbeiterwohlfahrt Paris“, des „Verband(es) Deutscher Lehrer-Emigranten“, der „Zentralvereinigung der deutschen Emigration“ und im Arbeitsausschuß der „Deutsche(n) Opferhilfe“ in Paris mit.

1937 wurde der Familie Löwenstein die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.

Heute erinnern eine Gedenktafel am Haus Geygerstraße 3 in Berlin-Neukölln (hier lebte Löwenstein von 1921-1933), zwei Publikationen zu Leben und Werk:

„Kurt Löwenstein. Leben und Leistung“, Berlin 1957 und 1978 (ein Nachdruck mit neuem Vorspruch anläßlich der Einweihung der o.g. Gedenktafel) sowie eine ständige Ausstellung in den Räumen des Schulamtes Boddinstraße 34 Berlin-Neukölln an den Schulreformer und  Politiker.

Von 1957 bis 2010 (dem Jahr der Fusion mit der Röntgen-Real- zur integrierten Röntgen Sekundarschule) gab es in Berlin-Neukölln die an Löwenstein erinnernde
Kurt-Löwenstein Oberschule,
eine Hauptschule, die sich der Lehre und dem sozialen Engagement Löwensteins verbunden fühlte. Der zugehörige Förderverein (seit 2005 anerkannter Träger der freien Jugendhilfe im Bezirk Berlin-Neukölln) setzt diese Tradition auch durch sein Wirken im und in den umgebenden Sozialraum hinein fort.